Sinzig-Bad Bodendorf

von Dr. Jürgen Haffke

"Doch es ist keine Phrase, wenn ich immer gesagt habe: Lieber ein Tag in Bodendorf wie eine Woche Berlin."
Heinrich Lersch (1889-1936)

Lage

Am Unterlauf der Ahr, nur etwa eine Stunde Fußweg von ihrer Mündung in den Rhein entfernt, breitet sich im weiten Talgrund der "Goldenen Meile" Bad Bodendorf aus.
1. Bad Bodendorfs historischer Dorfeingang
an der "Oberen Pforte", Hauptstraße
Eingesenkt in die Hochfluren der Rheineifel und des Unteren Mittelrheintals, deren waldreiche Höhen zwischen 200 und 350 m liegen, verfügt der Ort, etwa 75 m ü. NN, über eine klimatisch geschützte und optisch geschlossene Lage. Seit 1969 ein Teil der südöstlich gelegenen Stadt Sinzig, erhielt Bodendorf 1972 den Titel "Bad". Zusammen mit seinen Nachbarn Bad Neuenahr (seit 1927 "Bad") und Bad Breisig (seit 1958 "Bad") bildet es das Bäderdreieck des Kreises Ahrweiler. Der Anschluß an die Ahrtal-Eisenbahn und die Nähe zur linksrheinischen Autobahn verleihen dem Dorf eine günstige Verkehrslage zum Ballungsraum Rhein-Ruhr.

Geschichte

Die Anfänge Bodendorfs sind unbekannt. Sicherlich wird es aber schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen gegeben haben, die auch das untere Ahrtal durchstreift haben. Vereinzelte Funde in der weiteren Umgebung (Sinzig, Bad Breisig, Neuwieder Becken) weisen darauf hin. Ein erster Siedlungsansatz Bodendorfs kann in den Jahrhunderten der römischen Herrschaft am Rhein vermutet werden. Der Fund einiger Tonröhren in einem Seitentälchen nördlich des Dorfes (Schützenstraße) deutet auf eine Wasserleitung, die zu einem Anwesen im Bereich der heutigen Kirche geführt haben mag. Dieser Siedlungsplatz, am Ausgang des Seitentals in das Haupttal hochwasserfrei und günstig zur Sonne gelegen, ähnelt auffallend den Fundstätten anderer römischer villae rusticae ahraufwärts im Bereich der heutigen Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler: in Lohrsdorf, Heppingen, Bad Neuenahr-Bahnhof, An den Ulmen, Ahrweiler-Landratsamt und auch dem Standort der spektakulären Ausgrabung Ahrweiler-Silberberg. Die heutige Überbauung des Areals erlaubt allerdings keine genaueren Nachforschungen. Die vielen Überreste der Römerzeit in Remagen, Sinzig und Ahrweiler lassen jedoch eine gegenüber den vorhergehenden Jahrhunderten "dichte" Besiedlung des unteren Ahrtals annehmen, die auch nach dem Niedergang des römischen Reiches im Rheinland am Beginn des 5. Jh. nicht vollständig aufgegeben wurde. Die allmähliche Durchdringung mit Elementen der fränkischen Kultur führte wohl nur zu einer Änderung der Siedlungsweise.

Archäologische Funde (Reihengräberfelder) und Erkenntnisse der Orts- und Flurnamenforschung (auf -heim und -dorf endende Ortsnamen mit Personennamen als Bestimmungswort) sprechen für die These, dass zwischen dem Rheintal und der nachweislich früh besiedelten Siedlungskammer der Grafschaft und der anschließenden Börde, also auch im unteren Ahrgebiet, Siedlungskontinuität herrschte. In Bodendorf stieß man an einigen Stellen außerhalb des alten Dorfbereichs auf als fränkisch eingestufte Gräberfunde. Bauliche Überreste aus jenen Zeiten kennt man nicht. Die landeskundliche Forschung hat lange die
die älteste Darstellung Bodendorfs auf der "Karte des unteren Ahrtals" 1570/71
2. Die älteste Darstellung Bodendorfs auf
der "Karte des unteren Ahrtals" 1570/71
älteste fränkische Gerichtsurkunde vom 3. September 643, die in "Bodovilla" ausgestellt worden ist und den Entscheid des merowingischen Königs Sigibert III. (638/39-656) in einem Streit um einen Weinberg "infra termino Bodofricense" beinhaltet, auf Bodendorf bezogen. Dabei wurde "Bodovilla" als "Dorf des Bodo" = Bodendorf interpretiert, während man in "Bodofricense" eine alte Namensform von Boppard erkannte. Obwohl keine wesentliche Unterbrechung der Besiedlung des Rhein-Ahr-Gebietes im Übergang von den Römern zu den Franken anzunehmen ist, eine schriftliche Erwähnung Bodendorfs im Jahre 643 also denkbar wäre, erscheint die genannte Urkunde als Erstbeleg nicht eindeutig genug. Was soll den König bewogen haben, ausgerechnet in Bodendorf zu urkunden? Wenn es den Ort schon gegeben haben sollte, lag er zwar im Reichsgut (Fiscus) Remagen-Sinzig, aber Remagen war zu dieser Zeit Hauptort des Fiscus. Da die Aachen-Frankfurter-Heerstraße, die von Sinzig kommend den Ahrtalboden in der kürzesten Linie diagonal nach Bodendorf quert und den nordwestlichen Verlauf über Rheinbach bis Düren beibehält, erst etwa 150 Jahre später, d. h. seit karolingischer Zeit, besteht, ergibt sich kein Grund für einen Königsaufenthalt. Mit "Bodovilla" können auch andere Orte im Rheinland gemeint sein, deren Name sich ebenfalls ableiten lässt: Budenheim bei Kastellaun, Bodenheim südlich von Mainz, im Kölner Umland ein weiteres Bodenheim usw.

Die wachsende Bedeutung Sinzigs als Aufenthaltsort der Karolinger und die gleichzeitige Herausbildung der Aachen-Frankfurter-Heerstraße, die bei Bodendorf ihren stärksten Anstieg von der Rhein-Ahr-Niederung zur Hochfläche der Grafschaft zu bewältigen hat, liefern wohl eher einen Schlüssel zum Verständnis der Anfänge Bodendorfs. Eine Urkunde aus dem Jahr 762, die Ersterwähnung Sinzigs, beweist den Aufenthalt König Pippins in der späteren Stadt. Er schenkte hier das Kloster Kesseling an das von den Karolingern bevorzugte, 721 gegründete Kloster Prüm. In einem Güterverzeichnis (Prümer Urbar) für das Jahr 893 nennt das Kloster Prüm Weinberge "inter budendorpht et gadenberhc" sein eigen. Aus dem Textzusammenhang des Urbars, das zahlreiche Orte der Umgebung nennt, ergibt sich zweifelsfrei, dass mit "budendorpht" Bodendorf gemeint ist. Wo "gadenberhc" liegt und wann und von wem das Kloster Prüm diesen Besitz bekommen hat, ist nicht überliefert. Aber die Zugehörigkeit Bodendorfs zum Reichsgut Sinzig-Remagen - schon in frühkarolingischer Zeit hatte Sinzig den Rang als Hauptort des Fiscus übernommen - spricht für eine Schenkung der Karolinger an "ihr" Kloster. Auch bei den folgenden Erwähnungen, mehr als 200 Jahre später, geht es um Weinbergsschenkungen an Klöster: 1118, 1133 und 1148 an Klosterrath/Rolduc (bei Herzogenrath), 1143 und 1148 an Rolandswerth/Nonnenwerth, 1160 an St. Thomas zu Andernach usw. Bis zur Säkularisierung 1804 sind 19 verschiedene auswärtige geistliche Eigentümer von Rebland, Äckern und Wiesen in Bodendorf nachgewiesen. Erst nach 1200 liegen auch Urkunden über weltliche Besitzrechte vor, von deren Inhabern bis 1804 mehr als 50 namentlich dokumentiert sind.

Bei der äußerst lückenhaften und komplizierten Quellenlage zeichnet sich etwa folgendes Bild der Herrschaftsverhältnisse ab: Aus dem Reichsgut schied Bodendorf wohl Mitte des 11. Jh. aus und fiel als Reichslehen an die Saffenberger, die auf der Saffenburg bei Mayschoß (Mittelahr) ihren Sitz hatten. Trotz zwischenzeitlicher Verpfändungen und Verkäufe an andere gelang den Saffenbergern immer wieder der Rückkauf. Nahezu 400 Jahre lang waren sie bis 1450 die bestimmenden Grund- und Gerichtsherren Bodendorfs. Seit der Gründung der Burg Landskron 1206 durch den Stauferkönig Philipp von Schwaben versuchten die dort eingesetzten Burgherren, aus dem Hause derer von Sinzig stammend und sich nun von Landskron nennend, sich wachsenden Einfluss im Gebiet der Unterahr zu verschaffen und eine eigene Herrschaft zu bilden. Dazu gehörte der Kauf von Grundbesitz und Gerichts- und Vogteirechten in Bodendorf, (Remagen-)Oedingen, Königsfeld, (Bad Neuenahr-Ahrweiler-)Lohrsdorf und Green. Durch Heiratspolitik und Erbschaftsvertrag ging Bodendorf 1450 an Lutter Quad, Herrn von Landskron und Tomberg. Seine männlichen Nachfahren besaßen das Dorf bis 1621, und auch in den folgenden 180 Jahren blieb Bodendorf Teil der Reichsherrschaft Landskron, wenngleich sich zahlreiche Erbstreitigkeiten bis 1798 hinzogen.

Als letzter Grundherr übernahm der spätere preußische Minister Freiherr vom Stein die Herrschaft, die 1801 mit der offiziellen Eingliederung der linksrheinischen Gebiete in die französische Republik ihr Ende fand. Nach dem Sieg der Verbündeten über Napoleon forderte vom Stein Schadenersatz für seine verlorene Reichsherrschaft, der ihm neben Geld auch in einer Rückübertragung eines Teils seiner Güter gewährt wurde. Aus diesem Besitz richtete der Protestant vom Stein 1826 eine bis 1980 gepflegte Stiftung ein "in der Absicht, um die Herren von Landscron jetzt und künftig in frommem Andenken zu erhalten und einem zeitlichen Pfarrer zu Bodendorf, als dem Hauptorte der ehemaligen Herrschaft Landscron ein der Würde seines Amtes angemessenes Einkommen zu sichern". Im Bewusstsein der Bodendorfer finden diese Jahrhunderte der grundherrschaftlichen Gebundenheit an die Saffenberger und die Herren von Landskron ihren stärksten Niederschlag im "Wappen von Bodendorf', das im Ortsbild mehrfach begegnet: geschnitzt seit 1975 gegenüber der Burg und in den Grünanlagen der Bäderstraße (von Paul Sermann, Altenahr), gemalt an markanter Stelle am Kirchaufgang (Giebel des Hauses Hauptstraße 78), gemeisselt auf der St.-Gertrud-Stele in der Rosenstraße im Kurgebiet oder auf den an Feiertagen
das Bodendorfer Gerichtssiegel 1497
3. Das Bodendorfer Gerichtssigel 1497
in großer Zahl die Hauptstraße schmückenden Dorffahnen. Seinen Ursprung hat es im Siegel des Bodendorfer Gerichts von 1493, welches das Saffenberger Siegel von 1370 ablöst. Vom 13. bis 18. Jh. urteilten in Bodendorf ein Schultheiß als Vertreter der Herrschaft und vom jeweiligen Landesherrn bestellte Schöffen aus der Gemeinde in Streitfällen der niederen Gerichtsbarkeit. Ein gut erhaltenes Exemplar des Siegels an einer Urkunde von 1497 zeigte die - neben St. Sebastianus - zweite Patronin der Bodendorfer Kirche, die hl. Gertrud von Nivelles, mit ihren charakteristischen Attributen Königskrone, Äbtissinenstab und Buch. Die Umschrift lautet: "SIGIL. DER. SCHEF. VAN. BODENDORFF". Unter der Figur sind in einem viergeteilten Schild links unten der Saffenberger Adler, links oben zwei gezinnte Querbalken als Zeichen der Junker von Quad, rechts oben der Adler der Grafen von Neuenahr und rechts unten zwei geschachtete Querbalken aus dem Wappen derer von Müllenark-Tomburg dargestellt.

Im Gefolge des Wiener Kongresses kamen die ehemaligen Territorien am Rhein 1815 an Preußen. Diese wurden seit 1822 in der Rheinprovinz zusammengefasst. Die nun selbständige Gemeinde Bodendorf gehörte von 1816 bis 1969 zum Amt Remagen. Die Bildung des Landes Rheinland-Pfalz 1946 in der französischen Besatzungszone (1945-1949) als eines von mehreren Ländern, welche die Nachfolge des nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wiedererrichteten Preußen antraten, änderte nichts an der Zugehörigkeit des Dorfes zum Regierungsbezirk Koblenz und Landkreis Ahrweiler, wie sie seit 1816 bis heute besteht. Mit dem "Fünften Verwaltungsvereinfachungsgesetz" des Landes Rheinland-Pfalz, das am 7. Juli 1969 in Kraft trat, schied Bodendorf aus dem Amt Remagen aus und verlor seinen Gemeindestatus. Sein Gebiet wurde in das Gebiet Sinzigs eingegliedert, das seitdem zusammen mit den ehemals zum Amt Sinzig gehörenden Dörfern Franken, Koisdorf, Löhndorf und Westum die neue Stadt Sinzig bildet. Mit der Zuerkennung des Bad-Titels heißt der Stadtteil seit 1972 "Sinzig-Bad Bodendorf".

Zerstörungen des Dorfes und der Feldflur Bodendorfs bei Kriegen, Naturkatastrophen oder Bränden wird es sicherlich mehrfach gegeben haben, auch wenn nur spärliche Nachrichten davon vorliegen; denn nur selten haben die Leiden der Bevölkerung und Namen der kleinen Dörfer neben den Hauptschauplätzen der Ereignisse die Beachtung der Chronisten gefunden. Die Lage Bodendorfs an der Aachen-Frankfurter-Heerstraße bescherte dem Ort Einquartierungen, Plünderungen und Erpressungen durchziehender Truppen. Freund und Feind bedienten sich oft genug in gleicher Weise.
Bodendorf im 17. Jh. Ausschnitt aus einer Karte derHerrschaft Landskron
4. Bodendorf im 17. Jh. Ausschnitt aus einer Karte der Herrschaft Landskron
Die Willkür der Gewalt hatte bis zum Beginn des 19. Jh. meist leichtes Spiel. Hinzu kamen die verheerenden Wirkungen von Seuchen für Mensch und Tier. Das 17. Jh. bot wohl auch für Bodendorf in dieser Hinsicht einen katastrophalen Abschnitt seiner Geschichte, den kein einziges Bauwerk aus den vorhergehenden Zeiten überstanden hat. Seitdem ist der Ort jedoch von größeren Zerstörungen verschont geblieben.

Ackerbau, Viehhaltung und Weinbau bildeten mehr als 1000 Jahre die Grundlage der Wirtschaft in Bodendorf. Davon zeugen nicht allein die überlieferten Urkunden, sondern auch das Landschafts- und Siedlungsbild weist an zahlreichen Stellen auf diese Vergangenheit hin. Aber die Nähe zum Rheintal förderte bereits seit der Mitte des 19. Jh. einen Prozess, der die Erwerbsstruktur der bisher ausschließlich am Weinbau und der Landwirtschaft orientierten Bevölkerung allmählich änderte. Arbeit beim Bau der Eisenbahntrassen durch das Mittelrheingebiet (1860 vollendet) und Ahrtal (1880 bis Ahrweiler in Betrieb), Tätigkeiten an Mineralbrunnen in (Bad Neuenahr-Ahrweiler-) Heppingen (schon im18. Jh.), Wadenheim/Neuenahr (1852 Apollinaris) und Sinzig (1853), Gelegenheitsdienste in den jungen Kurbädern Sinzig (seit 1857) und Beul/Neuenahr (seit 1858) sowie Beschäftigungsmöglichkeiten in der bei Remagen und Sinzig entstehenden Industrie boten sichere Einnahmen, die nicht den Ernterisiken und dem herrschenden Preisverfall im Weinbau ausgesetzt waren. Diese Entwicklung beschleunigte das Auftreten der Reblaus (1874 erstmals in Deutschland bei Bonn, 1881 an der Ahr in Hei-mersheim/Landskrone, 1891 in Bodendorf). Ausgedehnter Stammobstbau als Nachfolgekultur an den Bodendorfer Hängen und auf den Streuobstwiesen der Ahraue konnte nicht mehr die Stellung des Weinbaus erreichen. Lediglich die Anlage von Erdbeerplantagen brachte Bodendorf bis Ende der 1950er Jahre vorübergehend den Ruf als "Erdbeerzentrum" ein.

Die wirtschaftliche Ausschöpfung einiger erfolgreicher Quellbohrungen (1900, 1913/14, 1930) durch eine Abfüllung von Kohlensäure (1919), Errichtung von Badezellen (1924/25) und Versand von Mineralwasser (1927) schufen die Grundlagen für die Entstehung eines Kurfremdenverkehrs und gewerblicher Arbeitsplätze. Nach einer positiven Entwicklung bis Mitte der 1960er Jahre - unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg und den ersten Nachkriegsjahren - ging der Fremdenverkehr trotz der Bad-Erhebung 1972 wegen fehlender Investitionen in die Kurinfrastruktur inzwischen sehr stark zurück. Da auch der "BodendorferThermal-Sprudel" 1967 seine Produktion einstellte und sich nur für wenige Jahre ein Folgebetrieb ansiedelte, hätte man einen Niedergang des Dorfes erwarten können. Aber der Eisenbahnanschluss, die zunehmende Motorisierung und der Ausbau des regionalen Straßennetzes brachten den Ort in den Einflussbereich der Bundeshauptstadt Bonn und Kölns. Beträchtlicher Zuzug ließ Bad Bodendorf, das erst Ende der 1950er Jahre die Zahl von 1000 Einwohnern überschritten hatte, auf heute über 3800 Einwohner wachsen. Aus dem alten Winzer- und Bauerndorf ist ein beliebter Wohnort geworden, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, auch wieder ein attraktiver Badeort zu werden.

Ortsbild und bauliche Entwicklung

Eduard Wilhelm Pose "Blick in das Ahrtal bei Bodendorf", 1834/35
5. Eduard Wilhelm Pose, "Blick in das Ahrtal bei Bodendorf", 1834/35
Zum äußeren und inneren Ortsbild einer ländlichen Siedlung gehört die umgebende Flur. Deren Erscheinungsbild ist mit der Dorfentwicklung nicht nur vordergründig als Gemarkungsfläche verbunden. Vielmehr schlagen sich im Bild der Agrarlandschaft auch das soziale Gefüge der Bevölkerung (z. B. Parzellenmuster) und funktionale Beziehungen zwischen den Gehöften und ihren Anbauflächen (z.B. Wegenetz) nieder. Veränderungen in der Erwerbsstruktur einer Agrarbevölkerung sind in der Flur meist lange vor einer Anpassung des dörflichen Baubestands an die neue Situation erkennbar. Trotz dieser schnelleren Reaktion erhalten sich in der Flur viele historische Elemente besser und über einen längeren Zeitraum als im Dorf. Im vorliegenden Fall reicht eine ausschließlich auf die lokalen Verhältnisse gerichtete Perspektive zur Beurteilung des Ortsbildes von Bad Bodendorf nicht aus. Drei markante Bereiche sind es, die jeder für sich einen besonderen Wert für das Ortsbild haben, deren Kombination aber im Rheinland nur noch selten und im Ahrtal nicht mehr anzutreffen ist: die Hänge, die Aue, die Ortslage.

Die Hänge

Wer der Ahr flussabwärts folgt, erlebt in ihrem Verlauf vier Abschnitte, die sich nach natur- und kulturräumlichen Merkmalen unterscheiden lassen (nach Wendling): die junge Ahr von Blankenheim bis Müsch, die obere Ahr von Müsch bis (Altenahr-) Kreuzberg, die mittlere Ahr von Kreuzberg bis (Bad Neuenahr-Ahrweiler-)Walporzheim und die untere Ahr von Walporzheim bis (Remagen-) Kripp. Die beiden ersten Abschnitte sind nicht allein geologisch und klimatisch abgegrenzt, auch wirtschaftlich erlaubte deren Lage nur bedingt den Anbau von Wein, der das Bild aller von der Sonne berührten Hänge im mittleren und unteren Abschnitt bis heute prägt. Das gilt nur nicht mehr für Bad Bodendorf. Hier stellte der letzte Winzer zwar erst 1968 seine Tätigkeit ein, aber seit der Jahrhundertwende waren nach über 1000-jähriger Bewirtschaftung mehr als 30 ha Rebland Parzelle um Parzelle aufgegeben worden. Selbst der danach an den gleichen Hängen intensiv betriebene Obstbau mit ausgedehnten Kirsch-, Zwetschgen- und Pfirsichplantagen ging bis Anfang der 1960er Jahre zugrunde.
Aufgelassene Weinbergterassen mit alten Obstbäumen, Gebüsch und verfallenen Mauern im Flurstück "Im Salchenberg"
6. Aufgelassene Weinbergsterrassen mit alten Obstbäumen, Gebüsch und
verfallenen Mauern im Flurstück "Im Salchenberg"
Die Weinbergsmauern, -treppen und -pfade verfallen, sind aber durch das Gestrüpp der nachwachsenden Dornen, Büsche und Bäume, vor allem im Winter, noch zu erkennen. Im Frühling zeichnen sich diese ehemaligen Kulturflächen durch eine prachtvolle Blüte des Weißdorns und der verwilderten Obstbäume gegenüber dem hellen Grün des angrenzenden Niederwaldes der höheren Lagen ab. Die Blattfärbung im Herbst lässt in ihrer Farbenflut an manchen Stellen das Laub degenerierter Reben erkennen. Oberhalb der früheren Reb- und Obstanlagen weisen im Wald die verbreiteten Baumstümpfe mit inzwischen stärkeren Stockausschlägen auf die ehemals übliche Holzernte zur Gewinnung von Weinbergspfählen oder Brennholz hin. Deutliche Geländestufen belegen hier eine vor Jahrhunderten weiter ausgedehnte Rebfläche. Am Hangfuß zieht sich ein Häuserband hin, dem ansteigenden "Heerweg" folgen einige Gebäude auf die obere Hangkante. Aber noch zerstört die Bebauung nicht den vorherrschenden Eindruck einer verschwenderisch grünen Kulisse für das Dorf im Tal.

Mit diesem Hintergrund auf seiner Sonnenseite bietet Bad Bodendorf tatsächlich ein Bild, wie es an Mittel- und Unterahr sonst nicht vorkommt. Dort umgibt die öde Monotonie meist flurbereinigter Weinberge die Siedlungen, die Wald lediglich auf ihrer Schattenseite besitzen. Den aber hat Bad Bodendorf auch an den Hängen rechts der Ahr, der sich als hochstämmiger Nadel- und Laubwald deutlich vom gegenüberliegenden Niederwald unterscheidet. Zwar nicht zur historischen Gemarkungsfläche des Dorfes gehörig und wegen der bis Ende des 19. Jh. ungeregelten Ahr von hier nur beschwerlich erreichbar, ist der Mühlenberg doch ein das Ortsbild entscheidend prägender Faktor. Bisher verstellt nichts den Blick auf den wieder geschlossen bewaldeten Hang von der Ehlinger Ley bis Sinzig, dessen Fuß die Bebauung nicht auffällig überschreitet. Am Beginn des 19. Jh. war er durch Raubbau weitflächig entwaldet. Aufforstung und vernünftige Bewirtschaftung des Waldes, systematisch über fast 180 Jahre von den Forstbehörden und Waldbesitzern betrieben, schufen dieses Stück Natur, das aber die leitende Hand des Menschen erkennen lässt. Die Bad Bodendorf in zwei weiten Bögen fast ganz umfassenden, inzwischen bewaldeten Hänge spiegeln also ein großes Kapitel der örtlichen und regionalen Wirtschafts- und Sozialgeschichte wider. Der heutige Zustand der aufgelassenen Reb- und Obstbauhänge verdient nicht nur aus ästhetischen und ökologischen Gründen Beachtung, sondern er dokumentiert auch eindrucksvoll den sozialen Wandel der Bevölkerung des Dorfes in diesem Jahrhundert. Der Mühlenbergwald legt Zeugnis ab von einer erfolgreichen Wiederaufforstung einer ausgebeuteten Natur. Wie überall bedrohen aber auch hier die erst seit wenigen Jahren ins Bewusstsein gerückten, wiederum vom Menschen verursachten Luftschadstoffe das natürliche Wachstum.

Die Aue

Während die junge und obere Ahr über längere Strecken von Auenwiesen und -gehölzen begleitet wird, die geologisch bedingte Enge des mittleren Ahrtals kaum die Herausbildung einer Aue zuließ, schuf sich der Fluss in seinem unteren Abschnitt, begünstigt von tektonischen Gegebenheiten,
Bodendorf 1847, Ausschnitt aus der Ersten preußischen Landesaufnahme (Blatt 3157 Linz)
7. Bodendorf 1847. Ausschnitt aus der Ersten preußischen Landesaufnahme
1:25 000,Blatt 3157 (=5409) Linz
einen breiten Boden. Jahrtausendelang floss er hier in weit ausladenden Schleifen und Verästelungen, durchsetzt von zahllosen Sandbänken, toten Nebenarmen und Sumpfgelände, gemächlich zum Rhein. Die Aufschotterung, durch die Rodungstätigkeit im hohen Mittelalter und die daraus resultierende Erosion im Einzugsgebiet der oberen Ahr verstärkt, ließ das Gefalle des Flusses an seinem Unterlauf noch geringer werden. Der mächtige Schwemmfächer im Mündungsbereich drückte selbst den Rhein an den Westerwald und schuf die Talweitung der "Goldenen Meile". Nur bei den nicht seltenen Hochwässern - vorwiegend nach sommerlichen Gewitterregen, weniger infolge der Schneeschmelze - verwandelt sich die Ahr bis heute zu einem reißenden, gefürchteten Fluss. Allein im 19. Jh. sind 18 größere Überschwemmungen im Ahrgebiet nachgewiesen. Der Ausschnitt Bodendorf aus der Ersten preußischen Landesaufnahme (1847) vermittelt ein Bild dieses unberechenbaren Gewässers. Zugleich wird klar, warum alle historischen Siedlungskerne der Dörfer und Städte des Ahrtals, so auch Bodendorf, einen beachtlichen Abstand zum Fluss einhielten. Streckenweise zeichnet der Verlauf der Eisenbahntrasse und Ahrtalstraße den Rand der hochwasserfreien Niederterrasse zum Hochflutbett der historischen Ahr im heutigen Gelände nach.

Die Standorte der drei für Bodendorf überlieferten Mühlen befanden sich am Rand der Aue zur Niederterrasse. Zwei sind schon im späten Mittelalter erwähnt, die dritte im 17. Jh. Keine der Mühlen besteht mehr, aber teilweise sind die Mühlengräben in den Ahrwiesen noch erkennbar. Die letzte Mahl- und Ölmühle wurde bei einem Bombenangriff 1941 zerstört. Ihr bis in die 1970er Jahre sichtbares Mühlrad ist inzwischen auch verschwunden. Das erst 1977 als Naturschutzgebiet ausgewiesene Mündungsgebiet der Ahr bei Remagen-Kripp gilt als einziges von 42 deutschen Nebenflussmündungen des Rheins, das von tief greifenden wasserbaulichen Veränderungen verschont geblieben ist. Das gleiche kann man von der ganzen Unterahr nicht mehr sagen. Die etwa 1860 einsetzenden Regulierungsarbeiten haben bis zu ihrem Abschluss um die Jahrhundertwende den Charakter des Flusses vollständig geändert. Kanalisiert, in einem begradigten Bett und mit Wehren aufgestaut, entstand ein neues Bild der Ahr zwischen Walporzheim und Sinzig. Sümpfe wurden trockengelegt, Altarme verfüllt, ein Netz von Gräben für eine Wiesenbewässerung angelegt, Streuobstwiesen und Viehweiden eingerichtet. In Ahrweiler und dem aufstrebenden Badeort Neuenahr wagte sich die Bebauung allmählich näher an den Fluss. Seit 1960 sind die im Tal gelegenen Stadtteile von Bad Neuenahr-Ahrweiler weitgehend ineinander gewachsen. Was von den Feuchtwiesen der ehemaligen Aue noch sichtbar blieb, zerschlugen überdimensionierte Straßen und Brückenbauten der jüngsten Vergangenheit.

Erst wer dieses Bild vor Augen hat, wird sich erneut der besonderen Situation Bad Bodendorfs bewusst. Weite Teile des alten Auebereichs sind hier weder bebaut noch von einer Autobahn durchschnitten. Das liegt zwar nicht an größerer Weitsicht der hiesigen Bürger; denn Pläne für Wohngebiete, Campinganlagen, "Duftgärten" und den Ausbau von Kuranlagen hat es ebenso gegeben wie den Beschluss, auf einem Damm die Ahrtal-Autobahn mit einem Abfahrtsystem durch die Aue verlaufen zu lassen. Aber alle diese Pläne sind aus unterschiedlichen Gründen gescheitert. Im Vergleich zum Talbild Bad Neuenahr-Ahrweilers mutet die Bad Bodendorfer Talweitung mit ihren rundum grünen Hängen und Äckern, Streuobstwiesen, Gebüschen und Weichholzwäldchen in der Ebene wie eine Oase der Natur an, obgleich auch dieser Zustand Ergebnis beträchtlicher Eingriffe am Ende des vergangenen Jahrhunderts ist. Nicht allein Bad Bodendorfs Ortsbild erfährt von dieser Zone eine entscheidende Prägung. Denn je mehr die Nachbargemeinden ihren Talabschnitt verbauen, desto deutlicher wird der Wert dieses Teils für das ganze Ahrtal als kulturlandschaftliches Zeugnis des 19. Jh. Zusammen mit dem Ahrmündungsgebiet bildet die Ahraue von Bad Bodendorf ein landschaftliches Ensemble von hoher und schützenswerter ökologischer und historischer Bedeutung.

Die Ortslage

Bad Bodendorf erstreckt sich heute über den gesamten Talboden zwischen Reisberg im Norden und Mühlenberg im Süden. Die parallelen Linien der Eisenbahn, Ahrtalstraße und Ahr gliedern den Ort in drei Teile: das alte Dorf mit seinen Erweiterungen, das Auen-Viertel, das Kurgebiet. Abgesehen von einigen punktuellen Ansätzen außerhalb, beschränkte sich die Siedlungsfläche bis etwa 1950 auf das alte Dorf und seine unmittelbare Umgebung.

Wer sich, von Sinzig oder Bad Neuenahr kommend, Bad Bodendorf nähert, findet in dem die Silhouette bestimmenden Kirchturm zwar einen Orientierungspunkt für das alte Dorfgebiet, aber die ausgedehnten Neubaugebiete, vornehmlich mit freistehenden Einfamilienhäusern bebaut, verwehren den Blick auf die historische Ortsanlage. Man muss schon näher kommen, um vom Ahrweg, der ungefähr dem Verlauf des ehemaligen Dorfgrabens folgt, eine typische Außenansicht auf eine alte ländliche Siedlung zu gewinnen: Wie auf Eduard Wilhelm Poses Ölgemälde "Blick in das Ahrtal bei Bodendorf' (1834/35) bilden noch heute Stallungen und Wirtschaftsgebäude einen nahezu geschlossenen, abweisenden Wall nach außen. Nur der 1985 entstandene Neubau der Volksbank, auf dem Gelände zweier kleinerer Gehöfte errichtet, besitzt in diesem Wall eine "Schauseite" mit einer aufgesetzten Fachwerkfassade. Diese wirkt trotz ihrer angepassten Proportionen als Fremdkörper. Bedeutet dieser Bau einen Anfang für die Änderung des Außenbildes? Werden die nicht mehr landwirtschaftlich genutzten Wirtschaftsgebäude nach und nach abgerissen oder nur umgestaltet? Auch für letzteres findet sich ein Beispiel in der Nähe (Rückraum des Hauses Hauptstraße 67, vom Schwalbenweg einzusehen), das die Überlegenheit einer dem überkommenen äußeren Ortsbild angelehnten Lösung gegenüber vermeintlich historisierenden Akzenten nachweist.

Während Partien von alten Wirtschaftsgebäuden und freiem Gartenland im Rückraum historischer
eine jahrhunderte alte Blickbeziehung: die Dorfansicht vom Heerweg
8. Eine jahrhunderte alte Blickbeziehung: die Dorfansicht vom Heerweg
Ortskerne ländlicher Siedlungen noch vielerorts anzutreffen sind, besitzt Bad Bodendorf eine Blickachse, die als Rarität eingestuft werden darf: Vom jüngeren Zweig der Aachen-Frankfurter-Heerstraße, im Ort "Heerweg" genannt, die von der Bodendorfer Burg dammähnlich auf den ansteigenden Hohlweg an der Lößkante zuläuft (im Volksmund "Holl" bezeichnet; auch in Poses Gemälde links der Kirche hinter dem Dorf deutlich erkennbar), schaut man wie alle Reisenden in den früheren Jahrhunderten, jetzt durch mehrere Neubauten gestört, über freies Feld auf das alte Dorf. Zwar besteht die heutige Bebauung dieser echten Schauseite Bodendorfs seit kaum 200 Jahren, aber der ursprüngliche Ortsgrundriss ist nicht verdeckt erhalten, sondern jedermann augenfällig. Hier bereitet es keine Schwierigkeiten, vor dem inneren Auge die früheren Befestigungsanlagen des Dorfes, Hecke und Graben, auf die auch der Flurname "Im Graben" hinweist, einzufügen. Diese sicherlich im gesamten rheinischen Raum seltene Kombination aus einer historisch bedeutsamen Straße mit einem weitgehend freien Blick auf einen tradierten Ortsgrundriss vor der grünen Kulisse von verbuschten Rebterrassen und Niederwald besitzt eine herausragende das Ortsbild prägende Bedeutung. Nur glücklichen Umständen, nämlich Problemen im Umlegungsverfahren für einen fertigen Bebauungsplan, ist es zu verdanken, dass es diese bisher nicht geschützte Kostbarkeit noch gibt.

Wesentlich besser ist es inzwischen um den Schutz der Innenansicht des alten Bodendorf bestellt. Seit 1989 ist die Hauptstraße zwischen der Burg in Bahnhofsnähe und der früheren "Oberen Pforte" (Hauptstraße 64) beidseitig fast vollständig als "Denkmalzone" ausgewiesen. Die Rechtsverordnung betont: "Die Hauptstraße ist Zeugnis eines noch gut erhaltenen barocken/klassizistischen Straßenbildes,
Fachwerkensemble in der Hauptstraße Bad Bodendorf
9. Fachwerkensemble in der Hauptstraße
das weitestgehend unverändert in die heutige Zeit überkommen ist. (. . .) Sie zeigt insgesamt ein sehr geschlossenes Bild reizvollster, sowohl in Material als auch in Farben vorbildlich erhaltener Fachwerkbauten. (Sie) wird von den überwiegend traufständigen Bauten geprägt, wobei Fachwerk des 18. und 19. Jh. überwiegt. Die Fachwerkbauten der barocken Periode, die Jahreszahlen 1755 und 1761 sind durch Inschriften überliefert, zeigen Mansarddächer, die anderen Fachwerkbauten in der Regel Satteldächer; im Bereich von Straßeneinmündungen wird die Traufständigkeit aufgegeben zugunsten einer Giebelständigkeit."

Über diesen unmittelbaren Eindruck der Häuserzeilen hinaus haben sich im Grundriss des Dorfes weitere, wesentlich ältere Elemente erhalten, aus denen sich die baulichen Wachstumsphasen ablesen lassen (nach Seel). Die Hauptstraße setzt sich in ihrem geschwungenen Gesamtverlauf aus gegeneinander verschobenen Teilabschnitten zusammen, an deren Ende jeweils die wiederum gegeneinander versetzten Nebengassen (Ellig, Schulstraße) abzweigen. Vom Kirchenbereich ausgehend, war die Bebauung wohl schon vor 1200 bis zum Ellig vorgerückt. Auffallend ist, dass sich die größeren Hofparzellen der klösterlichen Güter in einer Dorfrandlage befinden (unterer Ellig) oder an dem jüngeren Straßenstück zwischen Ellig und Burg, während sich in dem älteren Bereich ein kleingekammertes Bild ergibt. Umgeben von dem Wegesystem der Aachen-Frankfurter-Heerstraße und nicht durchzogen, schützte man sich seit dem 14./15. Jh. an den Dorfeingängen mit Toren und später auch mit einem heckenbewehrten Graben um das ganze Dorf, der in den ersten Jahren der Selbständigkeit nach 1815 eingeebnet worden ist.

Die Neubauten des 19. Jh. beschränkten sich auf alte Standorte, Baulücken oder unmittelbar an das Dorf anschließende Bereiche. Wenige Bruchsteingebäude aus der ersten und einige Backsteingebäude aus der zweiten Jahrhunderthälfte dokumentieren die Abkehr vom Fachwerkstil. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen erlebte der Dorfkern nur geringfügige Veränderungen. Dagegen brachten die Jahre zwischen 1960 und 1980 tiefer gehende Eingriffe, 26 Häuser, davon 20 Fachwerkbauten, fielen der Spitzhacke zum Opfer. 16 Neubauten traten an ihre Stelle. Bei mehreren Häusern ist die ursprüngliche Fassade ganz, bei einigen im Untergeschoß mit Eternit-Platten oder Fliesen verkleidet. Derartige "Verschönerungen" der sechziger Jahre sind zum Teil in jüngster Vergangenheit korrigiert worden. Im Zuge der Kanalisierung Mitte der sechziger Jahre trennte man sich vom Kopfsteinpflaster zugunsten eines Asphaltbelags für die Hauptstraße. 1988 gestaltete man den Hauptstraßenbereich vor dem Kirchenaufgang durch Aufpflasterung wieder um, eine Maßnahme im Rahmen des "Dorferneuerungsprogramms" des Landes Rheinland-Pfalz.

Zunächst in Anlehnung an überkommene Feldwege, dann ab Mitte der siebziger Jahre dem schematischen Muster von Bebauungsplänen folgend,
Die Kuranlagen, hier Anfang der siebziger Jahre
10. Die Kuranlagen, hier Anfang der siebziger Jahre
dehnte sich das Dorf auf das nahe gelegene Garten- und Ackerland aus. Hier fanden auch Versorgungseinrichtungen neue Standorte (z. B. Grundschule 1962, Kindergarten 1975), während die Hauptstraße durch das Dorf Wirtschafts- und Kommunikationszentrum blieb. Investitionen für einen professionell betriebenen Fremdenverkehr schlugen sich nur im Bau zweier Sanatorien nieder (1949, 1960), die auch in den Folgejahren expandierten. Die ehemals als Neben- oder Zuerwerb geführten Pensionen fügen sich heute unauffällig in das Bild der übrigen Wohnbebauung. Bodendorfs "industrielle Vergangenheit" spiegelt sich im desolaten Zustand der früheren Abfüllanlagen des "Bodendorfer Thermal-Sprudel" in Bahnhofsnähe.

Durch die 1940 als Dorfumgehung gedachte Ahrtalstraße getrennt, entwickelte sich entlang der Bäderstraße und im östlichen Anschluss daran, nach punktuellen Ansätzen in der Vorkriegszeit, besonders seit den sechziger Jahren das Auen-Viertel als nahezu reines Wohngebiet. Eine für den westlich anschließenden Teil geplante Bebauung wurde wegen der ursprünglichen Pläne für eine Zufahrt zu einer auf einem 2,5 m hohen Damm durch die Aue verlaufenden Ahrtal-Autobahn ("Südtrasse") nicht weiterverfolgt. Sportanlagen für Fußball (seit 1919), Tennis (seit 1969) und Bogenschießen (seit 1975) sowie Wiesen und Auewäldchen prägen die potentielle Hochwasserzone der Ahr.

Rechts der Ahr, im Allgemeinen in einem Sicherheitsabstand zum Fluss, breitet sich bis an die niederen Hangpartien des Mühlenberges das Kurgebiet aus. Zur Nutzung der Quellbohrungen von 1913/14 entstand 1919 eine Kohlensäureverflüssigungsanlage, an deren Gebäude sich später ein Badehaus (1924/25) und eine Trinkhalle (1955) anlehnten. Oberhalb dieser Anlage errichtete der gleiche Bauherr,
Kurgebiet, Auen-Viertel, Dorfkern mit Erweiterungen (Aufnahme Frühjahr 1989)
11. Kurgebiet, Auen-Viertel, Dorfkern mit Erweiterungen:
Bad Bodendorfs heutige Siedlungsstruktur; Aufnahme Frühjahr 1989
der Begründer des Bodendorfer Kurfremdenverkehrs Josef Hardt (1848-1931), 1924/25 das erste Wohnhaus rechts der Ahr, das nach einer Erweiterung 1927 auch Kurgäste aufnahm ("Kurhaus St. Josefssprudel"). Seit 1937 ergänzt ein Freibad die Kuranlagen. Das Kurhaus erlebte in den folgenden Jahrzehnten mehrere An- und Umbauten. Lange Zeit das Flaggschiff des Bodendorfer Gastgewerbes, führt seine Schließung 1976 und anschließender Verfall bis heute auch dem ortsfremden Betrachter symbolträchtig vor Augen, dass der Fremdenverkehr hier seine Blüte hinter sich hat. Verwickelte Eigentumsverhältnisse und mehrere gescheiterte Investitionsvorhaben (u. a. "Wetterstein-Zentrum" mit drei Hochhäusern von 25, 20 und 15 Geschossen 1972/73) haben dazu geführt, dass diese "historische" Kuranlage, abgesehen von einigen kleineren Veränderungen, in ihren äußeren Grundzügen noch immer das Bild der fünfziger Jahre spiegelt. Im Vergleich zu manchen benachbarten aufwendigen "Wasser-Erlebniswelten" erscheinen gerade die Überschaubarkeit und bescheidenen baulichen Verhältnisse, die in großzügiges Grün eingebettet sind, sympathisch. Über die wirtschaftlichen Probleme kann das allerdings nicht hinwegtäuschen.

Erst der Bau der "Freiherr-vom-Stein-Brücke" über die Ahr 1952/53 (an gleicher Stelle 1986/87 durch einen breiteren Brückenneubau ersetzt) schuf die Voraussetzung für vermehrte private Investitionen im Beherbergungsgewerbe in der Nähe der Kuranlagen. In der besten Phase des Bodendorfer Fremdenverkehrs Anfang der sechziger Jahre boten im Kurgebiet sechs Hotels, fünf Pensionen und ein Privatvermieter 155, 59 und 3 Betten (zusammen 217 Betten) an, während im übrigen Dorf drei Hotel-/Sanatorien, 13 Pensionen und 17 Privatvermieter 60, 90 und 63 Betten (zusammen 213 Betten) für die Gäste zur Verfügung stellten. Diese Daten von 1960 lassen erkennen, dass sich zugezogene professionelle Kräfte im Kurgebiet engagierten, die ansässige Bevölkerung jedoch eher vorsichtig investierte. Etwa 4.000 Gäste erbrachten damals über 60.000 Übernachtungen. Dagegen sind es heute in der ganzen Stadt Sinzig, einschließlich Bad Bodendorf, weniger als 10.000 Übernachtungen. Lediglich ein Hotel mit 28 Betten ist dem Kurgebiet geblieben, im Dorf halten ein Hotel und ein Privatvermieter ein Angebot von 61 und 14 Betten aufrecht (2007). Etwa 20 Betten in einigen Ferienwohnungen erscheinen kaum nennenswert.

Außer dem Verfall des Kurhauses und (seit 1983) des "Haus Elisabeth", beide benachbart gelegen, weist nichts auf den beachtlichen Niedergang des Fremdenverkehrs hin. Mehrere Hotels und Pensionen an der Straße "Am Kurgarten" wurden seit 1974 von einem privaten Seniorenheim nach und nach aufgekauft, Fremdenbetten in Heimbetten umgewandelt. Die bauliche Entwicklung des letzten Jahrzehnts stand ganz im Zeichen des privaten Eigenheimbaus. Aus dem Kurgebiet wurde ein Wohngebiet für Neubürger, geprägt von den städtebaulichen Elementen der achtziger Jahre: verkehrsberuhigte Straßen, Reihenhausabschnitte und ein gegenüber dem ortsüblichen Maßstab über- dimensioniertes Spekulationsobjekt nach "Bauherrenmodell" unmittelbar an der Ahrbrücke. Ohne Versorgungseinrichtungen für die inzwischen über 1.000 Einwohner gleicht das Viertel manchem neuen Stadtteil einer Großstadt, allerdings vor grüner Kulisse und durch Auewäldchen abgeschirmt.

Fazit

Bad Bodendorfs prägende Elemente - Hänge, Aue und Ortslage - ergeben zusammen ein Bild, dessen Harmonie zwar nicht vollkommen ist, das aber im Vergleich zur näheren und weiteren Umgebung auffällt. Die baulichen Dimensionen der Ortslage fügen sich, abgesehen von vereinzelten Fehlleistungen, in die landschaftlich und historisch überlieferte Maßstäblichkeit. Bis heute blieb Bad Bodendorf von Hochhäusern und Autobahnen in seinem Umfeld verschont. Stattdessen beherrscht üppiges Grün an den Hängen und in der Aue das landschaftliche Gesamtbild. Straßenbau und Baulandausweisung der Zukunft müssen bedenken, dass dieses Grün nicht bequem verfügbarer Planungsfreiraum ist, sondern in seiner historischen und ökologischen Eigenart zum Wesen Bad Bodendorfs gehört.


Katholische Pfarrkirche St. Sebastianus

Geschichte und äußeres Bild

Nachrichten über eine Kirche in Bad Bodendorf liegen seit dem hohen Mittelalter vor. 1282 ist von einer "Pfarrei" die Rede, 1316 führt der Kölner "Liber valoris" hier
Grundriss der Bodendorfer Kirchen
12. Grundrisse der Bodendorfe Kirchen
eine Annexkirche der Pfarrkirche Remagen auf. Diese Abhängigkeit hielt sich bis zum Ende des 18.Jh., obwohl es den Geistlichen im Verlauf der Jahrhunderte gelang, eine gewisse
Pfarrkirche 1872/73 mit Erweiterungen 1969-1972
13. Pfarrkirche 1872/73 mit Erweiterung 1969-1972
Eigenständigkeit durchzusetzen. Als Filiale von Remagen, das selbst der Benediktiner-Abtei Deutz angehörte, ernannte deren Abt bis 1802 auch in Bodendorf die Pastöre. In jenem Jahr schied der Ort aus dem kölnischen Ahrdekanat, verblieb bis 1824 in der Diözese Aachen und gehört seitdem zum Bistum Trier. Patrone der Kirche sind die hl. Gertrud von Nivelles und der hl. Sebastianus. Während des Dreißigjährigen Krieges, wohl 1642, fielen das Dorf und die Kirche durch Brandschatzung in Schutt und Asche. Ob es sich dabei um die ersterwähnte Kirche oder einen Folgebau gehandelt hat, ist unbekannt. Schon 1647 hatte die Gemeinde einen Neubau errichtet, dreischiffig, 16 m lang, 12 m breit, mit quadratischem Westturm. Diese Kirche scheint die Wirren der Reunionskriege, welche die Dorfbevölkerung schwer trafen, zumindest äußerlich unbeschadet überstanden zu haben. Ein Grundriss, im Urkataster von 1828 überliefert und in Abb. 12 lagegetreu eingezeichnet, sowie das Gemälde von E. W. Pose vermitteln einen Eindruck vom Aussehen des Gebäudes, von dem ein Zeitgenosse wenige Jahre vor dem Abriss schrieb: "Die Kirche ist klein und durch An- und Inbauten gänzlich verdorben" (Wegeler 1862). Obgleich es bereits 1828 Pläne des Ortsgeistlichen für einen Neubau gab, die aber am Widerstand der Einwohner scheiterten, dauerte es bis 1872, ehe man mit den Arbeiten begann.

Kreisbaumeister Hermann Cuno (1831-1896), von dem auch die Entwürfe für die evangelischen Kirchen in (Wuppertal-)Unterbarmen (1868) und Siegburg (1879) stammen und der sich um die Wiederherstellung
Pfarrkirche, Hauptschiff (Aufnahme 2010) von © Thomas Zilch
14. Pfarrkirche, Hauptschiff (Aufnahme 2010 von © Thomas Zilch)
verschiedener Bauwerke im Rheinland (Bergfried von Burg Olbrück 1875, St. Peter in Bacharach, St. Severus in Boppard, St. Florin in Koblenz u. a.) verdient gemacht hat, war Architekt der in neugotischem Stil gebauten Bodendorfer Kirche.

Aus eigens dafür im Ort gebrannten Backsteinen entstanden im Osten der Chorraum mit beiderseits angebauten Sakristeien, die dreischiffige Halle mit querhausartig angefügten Jochen in den Seitenmitten und der quadratische Westturm, 40 m hoch mit achtseitigem Spitzhelm (siehe Grundriss). Der über Rundpfeilern gewölbte Innenraum war ursprünglich mit Ornamenten geschmückt. 1952 wurden diese bei einer Renovierung überstrichen, im Bereich des Chorraums 1987/88 wieder freigelegt. Die mit kreuzförmig geschnitzten Kopfstücken versehenen Kirchenbänke boten etwa 150 Sitzplätze. Im Herbst 1873 wurde die Kirche eingesegnet, wegen des preußischen Kulturkampfes aber erst 1882 feierlich konsekriert. Unmittelbar neben der Kirche entstand 1880/81 ein fünfachsiger, zweigeschossiger Backsteinbau für die Schule. Am gleichen Standort war 1825 die vorherige Schule errichtet worden.

Das starke Wachstum Bodendorfs seit den fünfziger Jahren des 20. Jh. ließ bald die Kapazitätsgrenzen in Kirche und Schule spürbar werden. Nachdem man sich gegen einen Neubau einer größeren Kirche an der vertrauten oder einer anderen Stelle ausgesprochen hatte, stimmte man dem Entwurf des Vallendarer Architekten Max Christens (* 1925) zu, der eine Erweiterung der bestehenden Kirche auf etwa 400 Sitzplätze unter weitgehender Wahrung der alten Bausubstanz vorgeschlagen hatte. (Weitere markante Bauwerke von Max Christens: Katholische Kirchen in Koblenz-Asterstein, Waldesch, Emmelshausen; Johanniskloster in Lahnstein, Provinzialat der Marienschwestern mit der Kirche Maria Himmelfahrt in Borken; Krankenhaus Marienhof der Heilig-Geist-Schwestern in Koblenz; Schulneubau und Restauration des Klosters Kalvarienberg in (Bad Neuenahr-)Ahrweiler, Schul- und Sportzentrum in Hermeskeil.)

1969 bis 1971 wurde das südliche Seitenschiff abgebrochen und in Querrichtung ein in seiner Apsis leicht zugespitzter Betonbau angefügt (siehe Grundriss). Die Fassade ist weitgehend mit Backsteinen verkleidet, ohne in den Fensterachsen und Dachlinien den entscheidenden Baustoff Beton zu verleugnen, und strebt eine harmonische Verbindung mit dem überkommenen Bau an. Eine niedrige Seitenkapelle mit vier kleinen Fenstergiebeln, die auch von den evangelischen Mitbürgern für ihre Gottesdienste genutzt wird, vermittelt zwischen dem vorspringenden alten Turm und der sonst zu eintönigen Seitenwand des Hauptschiffs. Die Eingänge blieben beim Turm. Voraussetzung dieser Lösung war die Überbauung des Kirchhofs, der 22 Grabkreuze aus den Jahren 1606 bis 1775 trug, von denen 16 links vom heutigen Treppenaufgang aufgestellt sind. Auch der Hof des angrenzenden ehemaligen Pfarrhauses (Hauptstraße 76, 1825 als Weingut auf dem Platz des ehemaligen Rolandswerther Hofs erbaut, 1885 von der Pfarrei erworben und bis 1965 vom jeweiligen Pfarrer bewohnt, dann elf Jahre unbewohnt und als Bauhütte missbraucht, 1977 bis 1979 in ein Pfarrheim umgebaut), unter dem sich ein geräumiger, gewölbter Weinkeller befand (im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum für die Anwohner genutzt), wurde zugeschüttet. Nachdem 1962 am Rand des Dorfes eine neue Schule errichtet worden war, wurde durch den Abriss des Altbaus 1968 Raum für den Treppenaufgang geschaffen.

Vier Glocken hängen im Turm. Seit 1953 läuten drei von der Gießerei Junke (Brilon) gelieferte Glocken (seit 1958 elektrisch): Sebastianus-Glocke, 320 kg, 84 cm Durchmesser,Ton h'; Josefs-Glocke “Im Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege, Pfarrgemeinde Bodendorf”, 460 kg, 95 cm Durchmesser, Ton b'; Marien-Glocke, 740 kg, 112 cm Durchmesser, Ton fis. Das Klangmotiv des Gesamtgeläuts lautet "Te Deum". Mit der Anschaffung einer vierten Glocke 1970 wurde auch der Glockenstuhl neu errichtet. Diese neue Glocke wiegt 1800 kg, besitzt einen Durchmesser von 140 cm und gibt den Ton a. Sie trägt die Aufschriften "Salve regina, Patronin voller Güte, uns allezeit behüte!" und "Ich wurde gegossen als Paul VI. Papst, Bernhard Rudolf Bischof von Trier, Edmund Schäfer Dechant, Franz Heil Pfarrer von Bodendorf in der Eifeler Glockengießerei Brockscheid". 1917 hatte die Pfarrei zwei von drei und 1942/43 alle drei Glocken für die Rüstungsindustrie der Weltkriege abliefern müssen, bewahrte aber dadurch die aus dem 15. Jh. stammende "Marienglocke" der Sinziger Pfarrkirche St. Peter vor der Einschmelzung. Eine Turmuhr wird schon 1848 erwähnt. 1958 erfolgte der Einbau einer elektrischen Uhr mit Ganz- und Halbschlag und einem weißen, runden Zifferblatt, das 1972 durch ein schwarz-türkisfarbenes mit Goldmarkierungen ersetzt worden ist. Seit 1987 wird die Kirche in den Abendstunden angestrahlt.

Innenraum

Während man im äußeren Erscheinungsbild der Kirche durch die verwendeten Baustoffe eine Synthese zwischen dem ursprünglichen und dem Erweiterungsbau beabsichtigt hat, dominiert im Innern eindeutig der Neubau. Der Haupteingang, zwischen Turm und Nebenkapelle im Übergangsbereich vom Alt- zum Neubau angelegt, führt seitlich in den Kirchenraum hinein,
Pfarrkirche Chorraum von 1872/73 mit Versperbild
15. Pfarrkirche, Chorraum von 1872/73 mit Vesperbild
der sich nach rechts weit öffnet. Dagegen verstellen die Säulenpaare des Altbaus den Blick in das ehemalige Längsschiff, das nun zu einem Querschiff geworden ist. Vor allem die wie ein breiter Schiffsbug leicht spitz zulaufende, fensterlose, den heutigen Altarraum abschließende massige graue Betonwand steht im Kontrast zu dem gegliederten, hellen, abgehängten spitzen Holzgewölbe, das einerseits an die drei Gewölbebögen des Altbaus anschließt, andererseits die jeweils sechs auf ihren Spitzen stehenden quadratischen Fenster im oberen Bereich der neuen Seitenwände optisch verbindet.

Der im alten wie neuen Teil gleichermaßen grau geplattete Boden, im neuen Chor vier Stufen über dem allgemeinen Niveau, fügt sich unauffällig ins Bild. Die beherrschenden Farben der Baustoffe für die Wände, Boden und Decke werden von der Bestuhlung mit ihren schwarzen Rahmen und hellen Sitzflächen / Rückenlehnen aufgegriffen. Bis 1997 stand der Altar im Chorraum und die Bestuhlung war in zwei Blöcken in der Längsachse des Neubaus ausgerichtet. Seitdem ist der Altar auf ein flaches Podest mehr in die Mitte gerückt worden und an drei Seiten von der Bestuhlung umgeben. Ein großer Rundleuchter betont seit 2003 diesen liturgischen Mittelpunkt. Die in ihrem mittleren Bereich weißen, von vertikalen Sichtbetonachsen unterbrochenen Seitenwände schaffen eine Verbindung zum außer im ehemaligen Chorraum schlicht weiß gehaltenen Altbau. Den Holzfarbton der Decke aufnehmend, prägen Türen zum Beichtstuhl und zur Sakristei sowie eine Wandverkleidung den unteren Bereich der linken Seitenwand. Nur von einem Pfeiler unterbrochen, ergibt sich auf der rechten Seite ein breiter Übergang in die Seitenkapelle, in der sich auch die Grundsteintafel mit Inschrift befindet: "Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. I Kor. 3, 11 Anno Domini 1969". Darüber angebracht erinnert eine Inschrift auf einer Steinplatte an "Franz-Josef Heil, geb. 17.09.1911 gest. 27. 4. 1973 Pfarrer in Bad Bodendorf von 1965 bis zu seinem Tode, Bauherr des Erweiterungsbaus der Pfarrkirche 1969-1972".

Der Altbau als Rückraum des Anbaus erfährt keine Betonung seiner historischen Eigenständigkeit etwa durch eine abweichende Farbgebung der Wände oder des Bodens, sondern ordnet sich, fast zu bescheiden, den ohnehin beherrschenden Vorgaben des Neubaus unter. Das gilt besonders auch für die aufstrebenden, neugotischen Fenster links und rechts der Orgel, deren originale Verglasung des 19. Jh. durch eine an die Fenster des Neubaus angepasste ausgetauscht wurde.

Die Entwürfe für die heutigen Fenster stammen von Walter Bettendorf, ausgeführt von Franz Binsfeld in Trier, 1970. Eine große Rosette, deren Rippen von außen erkennbar sind, ließ man innen hinter der Orgel ganz verschwinden. Nur der alte Chorraum setzt mit seinen drei aufstrebenden, jeweils 4 m hohen und 1,15 m breiten Fenstern, die das ursprüngliche Bild behalten haben, einen deutlichen farbigen Akzent, der durch die jüngst erfolgte Restaurierung der alten Bemalung noch verstärkt wird. Das Mittelfenster ist der Gottesmutter Maria, die das Jesuskind vor sich auf dem Arm hält, als Rosenkranzkönigin gewidmet. Vor ihr kniet ein Angehöriger der Dominikaner, die sich die Förderung des Rosenkranzgebets zur besonderen Aufgabe gemacht haben. Über diesen schwebt, eingehüllt in Wolken, ein Engel mit gefalteten Händen. Das linke Chorfenster zeigt die Bodendorfer Kirchenpatronin, die hl. Gertrud von Nivelles, mit Maus und vor ihr liegendem Äbtissinenstab, wie sie, im Angesicht des Gekreuzigten kniend, mit einer Feder in ein Buch schreibt. Das rechte Chorfenster gilt dem Bodendorfer Kirchenpatron, dem hl. Sebastianus, der, gefesselt und von Pfeilen durchbohrt, einem Engel gegenübersteht. Die Darstellung beider Patrone ist im Vergleich zur Mittelszene kleiner gehalten. Ein blaues Himmelsgewölbe mit Lilien zwischen den sechs Rippen deckt den alten Altarraum. Eingerahmt von einem gemalten Blätterband mit stilisierten Lilien am Eingangsbogen des Chorraums, ziert die linke Wand neben den Fenstern das Bild eines Lammes, die rechte das eines Pelikans, beides klassische Motive der christlichen Kunst. Abgesehen von einem Ornament im Scheitel des alten Längsschiffgewölbes, befinden sich keine weiteren gemalten Verzierungen auf den ansonsten weiß gestrichenen Wänden.

Ausstattung

Von der neugotischen Ausstattung der Kirche von 1873 wurde nichts übernommen. An der Stelle des Hochaltars im alten Chorraum, der wie die beiden Maria (links) und Josef (rechts) gewidmeten Nebenaltäre nicht mehr aufgestellt worden ist, steht heute das Vesperbild, eine Arbeit aus Holz, überstrichen, 1,40 m hoch, wohl aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. stammend. Der Taufstein von 1789, jetzt am ehemaligen Standort des Josefs-Altars platziert, ist aus rötlichem Marmor gearbeitet mit einem vierseitigen Balusterschaft und runder Schale. Der mit einer Taube bekrönte Messingdeckel trägt das Chronostichon: "eX pensls DoMInl henrICI hersbaCh praetorls post eIVs fVnera fons Iste obLatVs fVIt" (Aus den Mitteln des Herrn Heinrich Herschbach, Bürgermeisters, wurde nach seinem Tode dieser Taufbrunnen gestiftet).

An der Turmseite hängt ein 1,70 m großes Wandkreuz mit dem Gekreuzigten; die Kreuzbalken zieren eingeschnitzte Blumen- und Blattornamente, die Enden das Osterlamm mit Fahne und der Pelikan, ein Medaillon unten trägt die Inschrift "BB SL" (Barthel Becker, Sophia Laubs) mit dem Hauszeichen und der Jahreszahl "1680". Vesperbild, Taufstein und Wandkreuz gehörten schon zum Bestand der Kirche von 1647. Der bisher vollständige Verzicht auf die neugotischen Ausstattungsgegenstände, die zur Identität des alten Kirchenteils gehören, sollte überdacht werden. Obwohl manches im Gefolge des Kirchenumbaus 1969-1972 verschwunden ist, verkauft oder sogar vernichtet wurde (Altäre, holzgeschnitzte Kommunionbank, Kanzel, Beichtstuhl, Bankreihen u. a.), sind einige zeitgenössische Figuren erhalten geblieben, die sich jetzt im Pfarrheim befinden (hl. Josef mit Kind, hl. Maria, hl. Barbara, vier Evangelisten).

Pfarrkirche, Weihwasserschale von Egino Weinert
16. Pfarrkirche, Weihwasserschale von Egino Weinert
Bis auf eine 1976 der Pfarrei geschenkte Holzplastik des hl. Sebastianus, die wohl aus dem 18. Jh. stammt und jetzt am Übergang zur Nebenkapelle steht, ist der gesamte Neubauteil der Kirche ausschließlich mit Arbeiten des Kölner Malers, Bildhauers und Goldschmieds Egino Weinert (* 1920) ausgestattet. Getreu Weinerts Devise, die christliche Botschaft und biblischen Erzählungen in Bildern und plastisch auszudrücken, bilden schon die Eingangsportale mit ihrer Themenvielfalt eine konsequente Eröffnung für die Bilderfülle auf dem sakralen Mobiliar.
Pfarrkirche, Kreuz von Egino Weinert über dem Hauptaltar
18. Pfarrkirche, Kreuz von Egino Weinert über dem Hauptaltar

Die Verbindung von plastisch gestalteter Bronze mit kontrastreichen, farbenfrohen Emailleflächen, die beide biblische Figuren und Szenen sowie Pflanzenornamente bildhaft umsetzen, bestimmt die liturgisch herausragenden Einrichtungsteile. Aber auch da, wo nur reliefierte Bronze zum Einsatz kommt (Haupt- und Nebenaltartisch, Gabenbereitungstisch, fünf Stühle) sind zahlreiche Themen des Alten und Neuen Testaments verarbeitet.
Pfarrkirche, Brozerelief der Kirchenpatronin St. Gertrud von Egino Weineret auf einem Meßdienerstuhl
17. Pfarrkirche, Bronzerelief der Kirchenpatronin
St. Gertrud von Egino Weinert auf einem Meßdienerstuhl
19. Pfarrkirche, Bronzerelief des Kirchenpatrons
St. Sebastianus von Egino Weinert auf einem Meßdienerstuhl
Lediglich die 15 Stationen des Kreuzwegs konzentrieren sich auf ein Motiv. Die acht Bronzeleuchter treten durch ihre schlichte Gestalt nicht nur räumlich in den Hintergrund des Altarraums. Weinerts Ausstattung des Kirchenanbaus wirkt angesichts der dort vorherrschenden grau-weißen Töne an den großen Wandflächen und dem Boden in ihrer Farbigkeit und ihren Proportionen im Alltag des Gemeindegottesdienstes als ausgewogener Blickfang. Ihre einfache Grundform entspricht der ruhigen architektonischen Vorgabe. Dass er mit seinen Werken in der Bad Bodendorfer Pfarrkirche aber eigentlich eine an die mittelalterlichen "bibliae pauperum" erinnernde Bilderbibel geschaffen hat, kann nur der erfahren, der sich ihnen nähert.

Seit 1980 erklingt die auf 24 Register ausgelegte, mit zwei Manualen, Pedal, acht Setzerkombinationen und 1758 Pfeifen ausgestattete Orgel, entworfen von Professor Heinz-Anton Höhnen (Koblenz), geplant und gebaut von der Firma Orgelbau Hugo Mayer (Hausweiler bei Saarbrücken). An ihrem Standort befanden sich vor dem Erweiterungsbau 1969 der Beichtstuhl und ein kleiner Herz-Jesu-Altar. Die ursprünglich in der Kirche von 1873 an der Turmwand vorhandene Empore, die einer Mitte des 19. Jh. gekauften Orgel mit acht Registern bis zu deren Abbau 1964 Platz bot, wurde im Zuge des Kirchenumbaus abgerissen. Eine kleine geliehene Orgel diente in der Zwischenzeit der Liturgie. Zur Ausstattung der Kirche zählen einige Gewänder aus dem 18. Jh., deren Wappenschmuck auf die Verbindung Bodendorfs mit der Herrschaft Landskron hinweist und die aus einer Stiftung des Freiherrn vom Stein stammen. Diese sind jedoch ebenso wenig ausgestellt wie der Bestand an älteren Messkelchen (18.-20. Jh.), Ciborien, Monstranzen (15.-20. Jh.) und Reliquiaren (Kreuzpartikel, Sebastianus, Barbara, Konrad von Parzam).

Kapelle der Adventgemeinde

Seit 1989 zählte ein kleiner umgebauter Bungalow der späten fünfziger Jahre zu den sakralen Gebäuden Bad Bodendorfs (Am Kurgarten 53). 1996 entstand dort ein Kapellenneubau (Architekt: Hans Hoppe, Sinzig; Glasfenster: Elisabeth Knops, Sinzig). Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, zu den protestantischen Freikirchen gehörend und 1863 begründet, feiert in einem schlichten Raum ihre Gottesdienste. Ausgangspunkt für die Herausbildung dieses Zentrums war das Engagement eines Gemeinschaftsmitglieds im Aufbau eines Alten- und Pflegeheims, das sich seit 1974 durch Umbau ehemaliger Hotels und Pensionen und Neubauten im Kurgebiet beachtlich vergrößert hat. Bis zum Einzug in den selbständigen Bau 1989 hatten die Gottesdienste in einem Raum des Heims stattgefunden, der auch den anderen christlichen Kirchen zur Verfügung stand und steht.

Kapellen und Bildstöcke

Die Standorte der meisten Kapellen und Bildstöcke Bad Bodendorfs sind seit Jahrhunderten überliefert. Die Bausubstanz der Kapellen jedoch ist in keinem Fall älter als 50 Jahre. Drei Typen sind zu unterscheiden:

  1. Kapellen, die offensichtlich als Wegweiser an der Aachen-Frankfurter-Heerstraße (AFH) dienten, da sie immer an markanten Gabelungen stehen
  2. die Kapellen/ Bildstöcke an neuen Standorten
  3. die Friedhofskapellen

St. Sebastianus-Kapelle klicken und das Halbrelif schauen
20. St. Sebastianus-Kapelle
Von Sinzig aus betrachtet, ist die St. Sebastianus-Kapelle nicht nur das erste Gebäude Bad Bodendorfs. Sie kennzeichnet eine Gabelung der AFH in den älteren Zweig der auf den historischen Ortseingang (Flurname "Obere Pforte") zielenden "Hauptstraße" und eine jüngere Umgehung des Dorfes, die fast exakt dem heutigen Verlauf der Bundesstraße entspricht. Das Gebäude, 1953 nach den Plänen des Remagener Architekten Uebach von der St. Sebastianus-Bruderschaft errichtet, ist mindestens der dritte Bau an gleicher Stelle seit dem 17. Jh. Nachdem eine ältere Gipsfigur des hl. Sebastianus 1965 gestohlen worden war, fand eine Figur des gleichen Heiligen aus dem Bestand der neugotischen Kirche 1969 hier einen neuen Platz. Diese Figur wurde 1990 durch Vandalismus schwer beschädigt, im Folgejahr restauriert und 1993 gestohlen. Seit 1995 schmückt ein bronzenes Halbrelief des Heiligen aus der Werkstatt Egino Weinerts (Köln) die Kapelle.


Vierzehn-Nothelfer-Kapelle
21. Vierzehn-Nothelfer-Kapelle
Die im Bereich der Einmündung der Straße "Am Rotberg" in die "Hauptstraße" seit 1977 befindliche Kleinkapelle (Entwurf Michael und Lieselotte Seifer, Bad Bodendorf; Rolf Gundershausen, Sinzig) versteht sich als Nachfolger der im Vorjahr Straßenbauarbeiten zum Opfer gefallenen "Vierzehn Nothelfer-Kapelle", die um 1890 entstanden war. Das Altarkreuz wurde in den neuen Bildstock übernommen. Die Beziehung dieser Kapelle zum Verlauf der AFH ist nicht mehr offensichtlich. Ursprünglich nämlich stand sie bis in die Mitte des 19. Jh. etwa am Platz der heutigen Linde (eine der in Preußen zahlreichen "Kaiserlinden", die 1913 anlässlich des 25jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II. vielerorts gesetzt wurden), an der Einmündung der Schützenstraße in die Hauptstraße, was die Sterzenbach-Karte, das Pose-Bild und die Erste preußische Landesaufnahme beweisen. Genau hier, unmittelbar vor der "Obersten Pforte" des Dorfes, biegt die AFH in ein kleines Seitental ein (Schützenstraße), um auf den folgenden 2 km den stärksten Anstieg in ihrem gesamten Verlauf zu bewältigen.


Wegkreuz "Rette deine Seele"
22. Wegkreuz "Rette deine Seele"
Folgt man der Schützenstraße wenige 100 m, stößt man an einer scharfen Kurve auf ein Basaltkreuz mit Korpus und der Inschrift "Rette Deine Seele". Hier zweigt die kürzeste Verbindung Bodendorfs zu Remagen von der AFH ab. Schon 1428 ist an diesem Standort ein Kreuz bezeugt. Anstelle eines lange dort befindlichen Holzkreuzes stellte die St. Sebastianus-Bruderschaft 1986 das Basaltkreuz auf, das eigentlich 1939 als Grabkreuz von dem Obermendiger Bildhauer Johann Mittler geschlagen worden war.


Waldkapelle "Ziertheck"
23. Waldkapelle "Ziertheck"
Ein ganzes Wegebündel der AFH, zum Teil auch als Hohlwege ausgebildet, durchzieht das Flurstück "Kaiserskammer" hangaufwärts. Die Waldkapelle "Ziertheck" (sprachlich abgeleitet aus der dortigen Flurbezeichnung "An St. Giertraudenhecken", 1610, die sinngemäß erstmals 1458 als "an sent girde hecken" erwähnt wird; vgl. das Patrozinium der hl. Gertrud von Nivelles bei der Bodendorfer Pfarrkirche; das Kloster Nivelles hatte Besitz am Mittelrhein und auch in Altenahr) liegt nicht nur am Gipfelpunkt der Wege, sondern sie markiert auch die Verzweigung der AFH in den steileren Arm, noch heute als "Heerweg" bezeichnet, und den sanfteren Abstieg durch die Kaiserskammer und über den Bergweg. Schon in einer Karte des 17. Jh. ist hier eine Kapelle eingetragen. Der Bildstock "Jesus am Ölberg" mit der Inschrift "1747 Michael Rick Anna Catharina Wermerskirchen Ehel." bildet das Zentrum auch der 1965 von Schreinermeister Johann Bauer und Ehefrau Lambertine Klara, geb. Orth neu aufgebauten Fachwerkkapelle, die eine baufällige Vorgängerin von 1826 ersetzt.


Gnadenstuhl von Titus Reinarz
23a. Gnadenstuhl von Titus Reinarz
Von der Sebastianus-Kapelle dem jüngeren Zweig der AFH folgend, stieß man bis 1941 - damals im Gefolge des Baus der Umgehungsstraße abgerissen - im Bereich der heutigen Kreuzung der Bundesstraße mit der "Bäderstraße" auf die 1882 errichtete Dreifaltigkeitskapelle, an deren Standort aber schon im 18. Jh. eine Kapelle/Bildstock stand. An ihrer Stelle steht seit 1993 ein von dem Bildhauer Titus Reinarz gestalteter "Gnadenstuhl" aus Basalt. Hier bog die AFH nordwärts (Bahnhofstraße), um zwischen der Burg und der "Unteren Pforte" des Dorfes zur Anna-Kapelle und, dort abbiegend, auf einem dammartigen Wegstück (Heerweg) den ansteigenden Hohlweg zu erreichen. Heute erinnert an die Anna-Kapelle nur der mächtige Kastanienbaum (Ecke Hauptstraße/Heerweg), neben dem sie wohl einige Jahrhunderte lang stand, ehe sie 1972 wegen einer Straßenverbreiterung abgerissen wurde.


Bildstock "Anna selbdritt"
24. Bildstock "Anna selbdritt"
Ihr Ersatz, ein Basaltbildstock des Maria Laacher Künstlers Alfons Biermann, der Anna selbdritt - d. h. die hl. Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind - zeigt, mag zwar der religiösen Funktion genügen, der 1975 gewählte Standort am Heerweg, etwa an der Hälfte des Weges zur Waldkapelle Ziertheck, vernachlässigt aber die historische Bedeutung als Wegweiser.


Mattias-Kapelle
25. Matthias-Kapelle
Die 1981 eingeweihte Matthias-Kapelle am westlichen Dorfausgang von Bad Bodendorf (Hauptstraße Richtung Bad Neuenahr, kurz vor der Einmündung in die Bundesstraße), die einen undatierten Bildstock als Vorgänger hatte, darf wohl ebenfalls in das Auf- und Abstiegssystem der AFH eingeordnet werden. Obwohl in Karten des 18. Jh. hier kein Bildstock belegt ist, deutet der Geländezustand im Flurstück "Im Frontal" auf eine für einen normalen Weinbergsweg ungewöhnliche Nutzungsintensität. Inzwischen von dichtem Bewuchs überwuchert, lassen sich im oberen Hangbereich mehrere Hohlwegeinschnitte erkennen, die alle auf den Hauptweg der AFH zielen. Die von der St. Sebastianus-Bruderschaft nach Plänen des Sinziger Architekten Hans Hoppe errichtete Kapelle, die sich stilistisch und in ihren Baumaterialien (z. B. Glasbeton) zu ihrer Entstehungszeit bekennt, beherbergt eine von Hans Gerhard Biermann (Maria Laach) gearbeitete Matthias-Figur aus Muschelkalk. Diese wurde aus der 1964 von Willi Söller (Heppingen) geschaffenen Christus-Figur des Ehrenmals für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs geschlagen, das schon 1969 der Kirchenerweiterung zum Opfer gefallen war und dort 1995 durch drei steinerne Gedenktafeln für die Opfer beider Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ersetzt worden ist.

Außer den genannten Kapellen und Bildstöcken im System der AFH gibt es nur noch ein Wegekreuz von 1749 (Ecke Am Rotberg/Zeisigweg), das in seiner Inschrift "1749 Conrad Nelles u. Agnes Ehleut H D C V Caspar HA GR" dem Stil des Steins von 1747 in Ziertheck sehr gleicht.


Während das historische Bodendorf also von acht Kapellen oder Bildstöcken an Wegen und in der Flur umgeben war, besitzt der Ort in seinem alten Kern nur einen einzigen Bildstock (Ecke Hauptstraße/Ellig; jetzt unbefriedigend in eine moderne Geschäftshausfassade integriert), dessen Reliefdarstellung der hl. Familie auf eine Entstehung im 19. Jh. deutet, wenn es sich nicht auch um einen Folgebau an einem alten Standort handelt. Für diese Annahme gibt es aber bisher keinen Beleg, wenn man die exponierte Lage an der größten innerörtlichen Straßeneinmündung nicht als solchen akzeptieren möchte.

die hl. Gertrud an der Rosenstraße
26. Die hl. Gertrud an der Rosenstraße
der hl. Nepumuk auf der Ahrbrücke
27. Der hl. Nepomuk auf der Ahrbrücke
Zwei neue Bildstöcke knüpfen zwar nicht mit ihren Standorten an lokale Tradition, aber ihre Figuren sind mit der Bodendorfer Geschichte verbunden. Seit 1984 steht eine von der St. Sebastianus-Bruderschaft in Auftrag gegebene 2,10 m hohe naturbelassene Basaltsäule mit dem Relief der hl. Gertrud im Kurgebiet (Rosenstraße). Der Mendiger Bildhauer Dieter Heuft gestaltete die Heilige als gekrönte Äbtissin mit den klassischen Attributen Stab, Buch und Mäuse. Im Zuge des Neubaus der Ahrbrücke erfolgte 1987 die Aufstellung einer Figur des hl. Nepomuk in einer balkonartigen Ausbuchtung der Brückenmitte (Bildhauer des Basalts: Dieter Heuft, Mendig). Dass die Verehrung des hl. Johannes von Nepomuk in Bodendorf ältere Wurzeln hat, die allerdings in Vergessenheit geraten sind, beweist die Tatsache, dass sich 1847 in der Kirche eine Holzfigur von ihm befand.

Schon zu Beginn des 19. Jh. reichte der Platz des Kirchhofs nicht mehr zur Bestattung der Verstorbenen aus. Seit 1827 gibt es den noch heute genutzten Friedhof (Moselstraße), der mit dem Wachstum der Gemeinde einige Erweiterungen erfuhr. Das übermannshohe schlichte Basaltkreuz, das bis 1940 prägendes Zeichen des Friedhofs war, verschwand damals im Gefolge des Baus der Umgehungsstraße. Ein Nachfolgedenkmal gedieh nur bis zum Unterbau, auf den man in den fünfziger Jahren ein altes Grabkreuz von 1781 aufsetzte. Seit 1973 besteht die Friedhofskapelle. 2001 wurde am westlichen Ortsausgang bei der Matthias-Kapelle ein neues Friedhofsgelände mit 950 Grabplätzen erschlossen, das bisher aber noch nicht gebraucht wurde.


Soldatenfriedhof
28. Soldatenfriedhof
In den Ahrwiesen am östlichen Ortsrand Bad Bodendorfs ließ die amerikanische Besatzung einen Soldatenfriedhof anlegen, auf dem über l.000 deutsche Soldaten begraben sind, die von April bis Juli 1945 in den Gefangenenlagern bei Remagen und Sinzig vor allem an Seuchen gestorben waren. Der in der Trägerschaft des Volksbundes für deutsche Kriegsgräberfürsorge befindliche Friedhof erfuhr seine heutige Gestaltung mit der Kapelle 1957. Eine Renovierung der Anlage erfolgte 2003 – 2005. Zusammen mit dem "Friedensmuseum" im Remagener Brückenkopf (1980 eröffnet), der Kapelle mit der "Schwarzen Madonna" an der Straße Remagen-Kripp (1987 eingeweiht) und einem an der Sinziger Rheinallee 1994 errichteten Mahnmal an die Gefangenenlager bildet der Bodendorfer Soldatenfriedhof einen Denkmalverbund zu den Kriegs- und Nachkriegsereignissen 1945 in der "Goldenen Meile".


Hauptstraße

Hauptstraße in Bad Bodendorf
29. Hauptstraße
Das Bild der Hauptstraße bestimmen zahlreiche Fachwerkbauten, die in manchen Abschnitten geschlossene Ensembles bilden. Die Größe und Anlage der meisten Häuser mit den dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden und Hofflächen weisen deutlich auf die Tradition von Ackerbau und Weinbau als wesentliche Erwerbszweige hin. Den zu Anfang des 20. Jh. vorhandenen 80 "Ackerern" stehen heute zwei Vollerwerbslandwirte gegenüber, die aber noch immer ihre Höfe an der Hauptstraße bewirtschaften. Trotz des Bedarfs an größeren Flächen für den Maschinenpark und Stallungen kam es nicht zu nennenswerten Eingriffen an den die Straßenfront bestimmenden Bauten, während im Hofraum durchaus neue Wirtschaftsgebäude entstanden. Im Gegensatz zu den Bauern veränderten die ansässigen Handwerker und Kaufleute ihre Häuser viel stärker. Dabei stellte der Durchbruch von neun Fassaden zur Schaffung von Schaufenstern noch eine milde Art der Verunstaltung dar, die in drei Fällen erfreulicherweise rückgängig gemacht worden ist. Wie gering die Rücksichtnahme auf die gewachsene Umgebung in den sechziger und siebziger Jahren war, demonstrieren drei unangepasste Geschäftsneubauten, für die fünf Fachwerkhäuser weichen mussten.

Dagegen spiegelt sich im Neubau der Volksbank (Hauptstraße 95/97, 1985 fertig gestellt, Architekt Helmut Scherne, Bad Bodendorf) an der Hauptstraße zugewandten Seite das Bemühen, Proportionen und Stilelemente der benachbarten alten Bebauung aufzugreifen und die Blickachsen an der markanten Kreuzung Hauptstraße/Ellig harmonisch abzuschließen. Der auch hier erfolgte Abriss zweier bescheidener Gehöfte wurde zu einer Rückverlegung des Neubaus und Anlage eines kleinen Dorfplatzes mit einem Brunnen aus Basalt genutzt: Figur eines rastenden Wanderers mit entfalteter Ahrtalkarte auf einer rebenumrankten Stele mit Bodendorfer Wappen als Symbol für den in Bad Bodendorf beginnenden "Rotweinwanderweg" nach Altenahr; Inschrift auf dem Becken: "Bürgersinn schuf diesen Brunnen Dorffest 1979-1982"; Bildhauer: Albert Schmitz (Kottenheim). Platz und Brunnen besitzen zwar keine Vorbilder in der Baugeschichte Bodendorfs, erscheinen aber ein maßvolles Zugeständnis an eine vom Zeitgeist geprägte Vorstellung von "Dorfromantik".


Hauptstraße in Bad BOdendorf - rechts Klosterhof von St. Thomas und dahinter Haus Fey
30. Hauptstraße; rechts Klosterhof von St. Thomas und Haus Fey
Dass man einige Standorte der öffentlichen Handpumpen, die bis zur Inbetriebnahme der Wasserleitung 1934 ihre Aufgabe erfüllten, ebenfalls sicherte, lässt ein positives Verständnis für die Bewahrung auch ortsspezifischer Denkmäler erkennen. Einige auffallend größere Häuser legen selbst dem ortsfremden Betrachter die Vermutung nahe, dass ihre Ursprünge über das Dorf hinausreichen. Das heutige Pfarrheim, am Fuß der Kirche gelegen (Hauptstraße 76), wurde bereits im Zusammenhang mit dem Erweiterungsbau der Kirche angesprochen. Abgesehen von diesem verputzten Bruchsteinbau des Jahres 1825 auf dem Gelände des ehemaligen Rolandswerther Hofs, fällt der ehemalige Klosterhof von St. Thomas /Andernach (Hauptstraße 102) auf, ebenfalls ein verputzter Bruchsteinbau mit Fenstern in Naturwerksteineinrahmungen. Sein Baujahr ist unbekannt, stilistische Merkmale (Krüppelwalmdach, niedrige Geschoßhöhen) und bauliche Parallelen zu dem benachbart liegenden Kelterhaus von St. Thomas (Ellig 6) sowie der Bodendorfer Burg deuten auf eine Entstehung Mitte des 18. Jh. Der Andernacher Klosterbesitz (1160-1804) gehörte beinahe 750 Jahre lang zu den bedeutendsten Gütern in Bodendorf. Dass die Landwirtschaft bis heute mit diesem Hof verbunden ist, darf als Musterbeispiel der Persistenz eines Gebäudes und seiner Funktion angesehen werden.

1824 ließ der damalige Ortspfarrer Bartholomäus Fey sein stattliches Haus (Hauptstraße 108) errichten, in dem er zahlreiche berühmte Gäste, darunter den Freiherrn vom Stein, Ernst Moritz Arndt und Leopold Kaufmann, beherbergte, denen Bodendorf seine freundliche Erwähnung in der Reiseliteratur des 19. Jh. verdankt. Eine Bereicherung für die Haus- und Straßenansicht wäre sicherlich die Beseitigung der zwei Schaufenster und die Wiederherstellung der ursprünglichen Fassade mit ihren vier Fenstern im Erdgeschoß.
historischer Dorfeingang an der "unteren Pforte" in der Hauptstraße
31. Bad Bodendorfs historischer Dorfeingang
an der "unteren Pforte", Hauptstraße
Dass auf dem Gelände der drei Häuser Hauptstraße 107, 111 und 113 der Landskroner Zehnthof gestanden hat, lässt sich nicht mehr unmittelbar erkennen. Aber ein nur durch eine Mauer getrennter gemeinsamer Gewölbekeller von 1735 verbindet die Häuser 111 und 113, wobei das letztere hinter der verputzten Fassade alte Bausubstanz aufweist. Als letzter Herr von Landskron zählte Freiherr vom Stein auch den Bodendorfer Zehnthof zu seinem Eigentum.

Unweit von Burg und Kastanienbaum befindet sich ein weiterer, allerdings unverputzter Bruchsteinbau (Hauptstraße 138). Das Haus ist nicht allein deswegen bemerkenswert, weil es deutlich außerhalb des alten Dorfkerns errichtet worden, zudem sehr gut erhalten und stilistisch in einer Reihe mit dem jetzigen Pfarrheim und Feys Haus zu sehen ist, sondern weil die Erbauer die Eltern des später berühmten rheinischen Dichters Wolfgang Müller von Königswinter gewesen sind, die durch Erbschaft zunächst Mitbesitzer des Landskroner Zehnthofs waren. Ihr Sohn Wolfgang hatte unter seinen Düsseldorfer Studienfreunden auch die Maler Alfred Rethel, Andreas Achenbach und 1834 Eduard Wilhelm Pose nach Bodendorf gebracht, der seinen "Blick in das Ahrtal bei Bodendorf" der Mutter des Dichters schenkte. Einige Jahrzehnte lang wird dieses Bild, die älteste überlieferte Ansicht des Ortes, wohl in dem Landhaus der Familie Müller (1838 gebaut) gehangen haben, bevor es nach verschiedenen Stationen seinen heutigen Platz im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt gefunden hat. Otto von Bismarck, damals noch preußischer Gesandter in Frankfurt, zählte zu den berühmten Gästen im Hause Müller.

Wegen seines ehemaligen prominenten Bewohners muss schließlich auf das Haus Hauptstraße 17 hingewiesen werden. Hier lebte der Arbeiterdichter Heinrich Lersch (* 12. September 1889, † 18. Juni 1936) mit seiner Familie in einer Mietwohnung seit der zweiten Jahreshälfte 1933, nachdem er schon Mitte April 1932 nach Bodendorf zunächst in eine kleinere Wohnung in Bahnhofsnähe (Moselstraße 57) gezogen war. In dieser Schrift ist nicht der Platz zu einer kritischen Würdigung des Dichters und seines literarischen Schaffens. Das ist an anderer Stelle geschehen (Günter Haffke). Am Standort seines im Mai 1934 fertig gestellten bescheidenen Gartenhauses, in der Verlängerung der Schützenstraße im Wiesengrund einer Quellmulde ("Am Hohlbrünnchen") gelegen, stellte die Hitler-Jugend 1941 einen Gedenkstein auf, der sich auch heute noch dort bei einer offenen Schutzhütte befindet, während das Gartenhaus schon bald nach Kriegsende spielenden Kindern und Brennholzsuchenden zum Opfer gefallen war.

Bodendorfer Burg

Das Geschlecht derer "von Bodendorf" begegnet uns zum ersten Male zu Beginn des 13. Jh. Wo sein Haus stand, ist unbekannt. Es erscheint aber naheliegend, dass im Gefolge der Auseinandersetzungen der Staufer und Welfen,
Bad Bodendorfer Burg
32. Bad Bodendorfer Burg
die 1206 auch zur Errichtung der Höhenburg Landskron auf dem Berg "Gimmich" (heutige Landskrone bei Bad Neuenahr-Heimersheim) geführt hatten, ebenso die Bodendorfer Wasserburg (Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße) entstand. Die Burgen dienten u. a. der Sicherung der Aachen-Frankfurter-Heerstraße (AFH), die vermutlich seitdem beide Aufstiegsvarianten bei Bodendorf nutzte. So erklärt sich die Lage der Burg deutlich vor dem historischen Kernbereich des Dorfes an oberer Hauptstraße und Ellig, da die AFH in ihrem gesamten Verlauf die Durchquerung kleinerer Orte möglichst vermied. Diese "Veste zu Bodendorf' erwähnt 1300 eine Urkunde. Über ihren Zustand erfährt man erst etwas im 17. Jh. 1608 und 1642 müssen die Eigentümer beträchtliche Mittel für ihre Instandsetzung aufbringen. Im gleichen Jahr hatte der Dreißigjährige Krieg auch die Kirche und Teile des Dorfs zerstört. Ob jedoch aus dieser Zeit Bausubstanz in dem heutigen Bau erhalten ist, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Gut 100 Jahre später, 1751, begannen größere Umbauten an der gesamten Anlage, die wohl das bis in die Gegenwart überkommene Bild schufen: Das zweigeschossige, siebenachsige Haupthaus aus verputztem Bruchstein mit einem Walmdach; daran anschließend niedrigere Flügel, lange Zeit als Wohn- und Wirtschaftsgebäude für die größeren Ländereien und Weinberge, zwischen 1929 und 1940 auch als "Matthias-Bad" für einen kleinen Kurbetrieb genutzt; im Zentrum des mit Flusskieseln und Basalt gepflasterten Innenhofs eine prachtvolle Linde; großzügiger hochstämmiger Laubbaumbestand im umgebenden Garten, der erkennen lässt, dass er einmal ein Park war. Das gesamte Areal umgibt eine - um 1880 erhöhte - Mauer mit den Resten eines offenen Pavillons an einer Ecke. Der ursprünglich an die Gebäude grenzende Wassergraben, über den zwei Brücken führten, wurde wohl im Zuge der Verlegung des Hauptzugangs zu Beginn des 19. Jh. trockengelegt bzw. verfüllt. Das Innere des Haupthauses erlebte um die Jahrhundertwende und in den 1970er Jahren größere Umbauten. Seit 1980 vertieft das vom Männergesangverein ausgerichtete "Burgfest" die Beziehung der Bodendorfer zu ihrer Burg.


Bahnhof

Dass der Bodendorfer Bahnhof unmittelbar bei der Burg liegt, ist kein Zufall. Zwar hat die Eisenbahntrasse mit ihrem geradlinigen Ost-West-Verlauf tangential
Bahnhof, 1879/80
34. Bahnhof, 1879/80
zum damaligen Dorf ohnehin das Burggelände berührt, aber der Bahnhof hätte auch östlich der heutigen Bahnhofstraße seinen Standort finden können. Burgherr Rudolf Felix August von Groote, 1859-1889 Landrat des Kreises Ahrweiler, förderte den Bau der Ahrtalbahn, zu deren Anlage und Anbindung an die Rheinstrecke in Remagen 1878 der Beschluss gefasst worden war, durch den bereitwilligen Verkauf eigener Grundstücke. Er stellte allerdings einige Bedingungen, u. a. der Haltepunkt habe auf sein abgetretenes Gelände hinter der Burg zu fallen, abgesehen von einem Bahnhof sei ein Güterschuppen zu bauen, schließlich dürfe er durch ein kleines Tor in der Burgmauer direkt das Bahngelände betreten. So entstanden seit Herbst 1879 zwei Bahnhofsgebäude: das zweigeschossige, mit neugotischen Stilelementen ausgestattete Empfangsgebäude aus Bruchsteinen mit Fachwerkgiebeln und einem Krüppelwalmdach sowie der "Güterbahnhof", ein eingeschossiger, ganz in Bruchstein ausgeführter Bau mit Krüppelwalmdach, der Ende der 1960er Jahre der Schaffung eines Bahnhofsvorplatzes zum Opfer fiel.

Die Gunst eines Gleisanschlusses mit einem eigenen Gütergleis zog 1927/28 die Abfüllanlagen für das Bodendorfer Mineralwasser in Bahnhofsnähe. Nach dem Bezug neuer Abfüllgebäude 1959, wieder in Bahnhofsnähe, aber jetzt auf der gegenüberliegenden Seite, und erst recht nach der Schließung des "Bodendorfer Sprudel" 1967, verlor der Gleisanschluß seinen Sinn und wurde bald abmontiert. Aus der Entstehungszeit des Bahnhofs hat sich jedoch der Privatzugang zur Burg erhalten, ein schlichtes Eisengittertor mit den Initialen der Familie von Groote.

Seit 1994 befindet sich auf dem Bahnhofsvorplatz der "Historische Weinberg", der nicht nur an die mehr als 1000-jährige Weinbaugeschichte Bad Bodendorfs erinnert, sondern auch den Start- oder Schlusspunkt des das Ahrtal durchziehenden "Rotweinwanderwegs" markiert.


Sinzig-Bad Bodendorf um 1985 - Ausschnitt aus der Topograhischen Karte (Blatt 409 Linz)
35. Sinzig-Bad Bodendorf um 1985
Ausschnitt aus der Topographischen Karte 1:25000, Blatt 409 Linz

 


Literatur über Bad Bodendorf

Überblickswerke

Spezielle Themen und Aufsätze

Ergänzungen zum Literaturverzeichnis „Bodendorf“ seit 2007 in alphabetischer Reihenfolge


Wir danken Herrn Dr. Jürgen Haffke, dass wir seinen Text "Sinzig-Bad Bodendorf" verwenden dürfen

Stand: 31-Dez-2016 4:28 • 8.143 mal angeschaut