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Historische Mühlen und aktuellle Wasserläufe

Viel beachteter Vortrag beim Denkmalverein von Karl-Friedrich Amendt

Sinzig. Die Flutkatastrophe Mitte Juli 2021 hat nicht nur dramatisch viel verändert im Ahrtal, sondern auch zu neuen Erkenntnissen geführt. Für Karl-Friedrich Amendt, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Regionalgeschichte befasst, waren die Ereignisse des 14./15. Juli Anlass, genau hinzuschauen, was in jener Nacht in Sinzig und Bad Bodendorf mit den Wasserläufen zur Ahr hin geschehen ist. Sein Vortrag dazu stieß nun beim „Turmgespräch im Schloss“ des Fördervereins Denkmalpflege und Heimatmuseum auf so großes Interesse, dass zusätzliche Stühle herbei geschafft werden mussten…

„Mühlen, Wasserläufe und Hochwasser in Sinzig“ hat Amendt seine Ausführungen überschrieben und dabei auch auf einen Vortrag von 2015 zurück gegriffen. Wichtig war ihm heute, auf Hochwasserfotos weitestgehend zu verzichten, um nicht bei Betroffenen traumatische Erinnerungen zu wecken. Ums Hochwasser ging es aber dennoch im ersten Teil des Vortrags. So bringt Hochwasser an der Ahr in dem größtenteils kanalisierten Flussbett bei hohen Fließgeschwindigkeiten Gefahr über die ganze Breite bis weit hinein in die Uferbereiche, ganz im Gegensatz zum sehr breiten Rhein, wo nur in der Mitte die Fließgeschwindigkeit hoch ist. Amendt ging auch auf die Historie ein und schilderte das schwere Hochwasser von 1804, das fast alle Brücken wegriss. Auch die aus der römischen Zeit stammende Steinbrücke in Höhe des späteren Spessart-Stegs, der dem Hochwasser 2021 nicht stand hielt.

Zerstört wurden bei dem Ereignis 1804 auch fast alle Sinziger Mühlen. Ihrer Geschichte hat sich Amendt in besonderem Maße zugewendet. Neun Mühlen sind für Sinzig und Bad Bodendorf nachgewiesen, die älteste Erwähnung datiert auf das Jahr 1225 (Mühlen des Gudenhofes). Dass sie mit 40 unterschiedlichen Namen bedacht wurden, hat die Recherchen nicht gerade erleichtert. Einiges Licht hat Amendt ins Dunkel gebracht, alles aufklären konnte er allerdings auch nicht. Immerhin weisen alte Gemarkungsbezeichnungen oder heutige Straßennamen („Am Teich“ an der Kölner Straße) auf Mühlanlagen hin, oder es stehen noch Gebäude wie Teile der Schmitz-Mühle in der Kripper Straße in unmittelbarer Nähe von „Am Teich“. Die Zu- und Abläufe entlang der Ahr und an den Bächen sowie die Mühlteiche sind vielfach heute noch in der Landschaft erkennbar oder existieren noch. Amendt zeigte zahlreiche Bilder und Karten, die für das Publikum einen hohen Wiedererkennungswert hatten. Unscheinbare Vertiefungen, nur zeitweise aktive Bäche oder versteckt liegende Teiche erhielten so eine Erklärung. Das enge Netz der Mühlgräben und in Form einer Vertiefung noch existente Teiche haben im Sommer 2021 die Folgen der Hochwasserkatastrophe verstärkt.

Wie die Mühlen, ihre Lage und ihre Namen, so beanspruchen auch die Bäche in der heutigen Stadt Sinzig, besondere Aufmerksamkeit. Da ist der Hellenbach, der, entspringend im Harterscheid, als Löhndorfer Bach von Schloss Vehn her Löhndorf und Westum durchfließt, sich in Westum mit dem Krechelheimer Bach vereinigt und auf Sinziger Gemarkung auch als Kuhbach bezeichnet wird. Er befüllte auch den Wassergrabens der Burg an Stelle des heutigen Schlosses. In die Ahr mündet er oberhalb der heutigen Brücke an der Kölner Straße. Ebenfalls am Harterscheid entspringt der Harbach, nimmt seinen Weg an Schloss Ahrenthal vorbei nach Sinzig, wo er unterhalb der genannten Brücke in die Ahr mündet. Auf seinem Weg versorgte er einst mindestens die Harbachmühle (Gebäude sind erhalten). Hochwasser können die Bäche auch, mit besonders schlimmen Folgen im Jahr 1942. Heute existieren deshalb einige Rückhaltebecken, auf die Amendt ebenfalls mit Wort und Bild hinwies.

Schon während des Vortrags und auch danach kamen zahlreiche Fragen und Anregungen aus dem Publikum zu den beschriebenen Örtlichkeiten und den zum Teil rätselhaften Namensbezeichnungen, das Interesse hielt bis zur letzten Minute des Vortrags an. Das würdigte der stellvertretende Vorsitzende des Denkmalvereins, Matthias Röcke, und dankte dem früheren Vorsitzenden Karl-Friedrich Amendt: „Der Vortrag war tiefgreifend, umfassend, nachvollziehbar und deshalb spannend“. Der lange Beifall bestätigte das.

Foto: Karl-Friedruch Amendt war in seinem Element beim Vortrag im Schloss
Foto: Denkmalverein


20. Mai 2022, Matthias Röcke

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